Samstag, 15. März 2014

Berndt Rieger - Paul McCartney. Das musikalische Genie der Beatles (Biographie)

„Ich wollte nie etwas werden. Ich hatte nie wie andere den Ehrgeiz, Lokomotivführer zu werden. Was mich geformt hat, war, dass ich als Kind nie unterdrückt wurde.“ Paul wird später oft beklagen, dass er in der Musik keine formale Ausbildung bekommen hat. Sein Vater musiziert öfters, und komponiert, doch er kann davon wenig vermitteln. Dass Paul zum musikalischen Genie der Beatles geworden ist, hat er einer Freundschaft zu verdanken mit einem Jungen, der wie er selbst wenig Ahnung von Musik, aber einen großen Hunger danach hat, mithilfe der Musik seiner verlorenen Mutter nachzuspüren. Dieser Junge heißt John Lennon, und Paul, der gerade seine eigene Mutter verloren hat, verbindet sich mit John zu einem Songwriter-Paar, das in der Geschichte des Pop einmalig geblieben ist. Die beiden werden so etwas wie eine Einheit, die beiden die Mutter ersetzen soll.
Paul: „Wir schwänzten die Schule und ging zu mir in die Wohnung, wenn niemand da war. Wir rauchten Tee von Twinings in einer Pfeife, was gar nicht so schlecht geschmeckt hat. Wir saßen herum, rauchten, und probierten auf dem Klavier herum. Wir schrieben Lieder in der Art von Buddy Holly, weil die am wenigsten Griffe hatten. So entstanden hundert Lieder vor Love Me Do.“

Während John als Dichter der Beatles ihren Liedern Sinn und Schärfe verleiht, sind es Pauls Melodien, die sich in das Bewusstsein der Menschheit eingeprägt haben – von „Yesterday“ über „Hey Jude“ bis hin zu „Let it Be“ steht Paul für die beste Musik der Beatles. Durch seinen jungenhaften Charme und sein gutes Aussehen war Paul außerdem der Beatle, in den sich die Frauen verliebten. Die Fans konnten damit umgehen, dass John früh vergeben war und träumten weltweit von Paul als dem „begehrenswertesten Junggesellen der westlichen Hemisphäre“. Beatlemania, das ist auch ein Stück davon, dass Paul so „süß“ war.

Auch nach dem Zusammenbruch der Band ist es Paul gelungen, in einer Karriere, die seit mehr als fünfzig Jahren ungebrochen ist, zum erfolgreichsten Pop-künstler aller Zeiten zu werden und dabei nicht nur die anderen Beatles, sondern auch Größen wie Elvis Presley oder Michael Jackson in den Schatten zu stellen. Diese Leistung konnte er nur erbringen, wenn er in einer intensiven Zweierbeziehung lebte. So zerfällt Pauls Leben in drei Teile. Bis zum Jahr 1968 geht Paul durch seine Personalunion ganz in seiner Tätigkeit für die Beatles auf und erschafft in dieser Zeit unsterbliche Lieder. Als sich John dann Yoko Ono zuwendet, zerstört das die Beatles, doch Paul findet in Linda Eastman zwischen 1968 und 1998 einen Ersatz, der zwar musikalisch hinter den Erwartungen zurück bleibt, Paul aber menschlich in einer sehr engen und erfüllenden Ehe verankert, in der er große kommerzielle Hits hervor bringt, die in den Charts erfolgreich sind wie seine alten Lieder. Linda schenkt Paul vier Kinder und lässt ihn den Traum einer glücklichen Familie leben, die ihm als Kind vorenthalten geblieben ist. Es ist auch die fruchtbarste Zeit als Musiker, in der er auch den Grundstein für seinen unermesslichen Reichtum legt. Nach Lindas Tod im Jahr 1998 beginnt eine Phase des Niedergangs und Rückzugs, die bis zum heutigen Tag andauert. Er ist nur mehr ein Schatten seiner selbst, sowohl von seiner kreativen Seite als auch in seinem Äußeren.

In dieser Biographie soll es neben einer chronologischen Schilderung seines Lebens vor allem um die vielen hundert Lieder gehen, die Paul im Laufe der Jahre geschrieben hat. Nicht nur unter den großen Hits, sondern auch unter weniger bekannt gewordenen Aufnahmen finden sich Perlen der Popmusik, die mithilfe von Direktlinks zu YouTube wieder zum Leben erwachen.